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Entwässernde Lebensmittel: Welche gibt es und was bringen sie?

Entwässernde Lebensmittel sollen bei Wassereinlagerungen Abhilfe leisten. Doch was ist dran an dem Versprechen?
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Dr. med Daniela Rose

Diabetologin und Nephrologin, NEDD*Grünstadt

Blogpost Entwässernde Lebensmittel

Viele Menschen neigen zu Wassereinlagerungen, vor allem in den Beinen und Füßen. Kein Wunder also, dass die Suche nach etwas, das dem entgegenwirkt, groß ist. Entwässernde Lebensmittel sollen hier Abhilfe leisten. Ihnen wird nachgesagt, Wassereinlagerungen zu lösen und den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Doch stimmt das wirklich? Und welche Wirkung haben diese Lebensmittel tatsächlich?

Was sind entwässernde Lebensmittel?

Entwässernde Lebensmittel regen die Nieren dazu an, über den Urin mehr Wasser auszuscheiden. Sie werden auch diuretische Lebensmittel genannt. Dabei handelt es sich um Nahrungsmittel, die die natürliche Regulation des Wasserhaushalts beeinflussen und den Harndrang leicht erhöhen können.

Warum erhöhen manche Lebensmittel den Harndrang?

Lebensmittel können auf unterschiedliche Weise entwässernd wirken. Je nach Zusammensetzung beeinflussen sie die Aktivität der Nieren, den Salzhaushalt oder bestimmte Hormone, die den Flüssigkeitsausgleich steuern.


  1. Entwässernd durch hohen Wasseranteil: Bei Lebensmitteln mit hohem Wassergehalt wird vermehrt Wasser aufgenommen, was die Urinmenge erhöht.
  2. Entwässernd durch ihren Mineralstoffgehalt: Lebensmittel mit einem hohen Kaliumanteil unterstützen die Ausscheidung von Natrium über die Nieren, wodurch auch Wasser aus dem Körper ausgeschieden wird.
  3. Entwässernd durch bessere Nierendurchblutung: Lebensmittel können die Nierendurchblutung anregen und dadurch zu einer erhöhten Wasserausscheidung führen.
  4. Entwässernd durch Hemmung von ADH: Einige Nahrungsmittel hemmen das Hormon ADH (antidiuretisches Hormon) im Gehirn. Das sorgt dafür, dass weniger Flüssigkeit zurückgehalten wird und der Harndrang steigt.
  5. Entwässernd durch Koffeinwirkung: Koffein hemmt die Rückresorption von Natrium in bestimmten Abschnitten der Nierenkanälchen. Dadurch entsteht eine leicht erhöhte Urinmenge.


Welche Lebensmittel wirken entwässernd?

Gemüse:

  • Gurke
  • Sellerie
  • Spargel
  • Tomate
  • Zucchini
  • Rote Bete
  • Artischocke
  • Kürbis
  • Fenchel
  • Mangold
  • Spinat
  • Brokkoli
  • Blumenkohl
  • Chicorée
  • Petersilienwurzel
  • Lauch
  • Endivie


Obst:

  • Wassermelone
  • Erdbeeren
  • Himbeeren
  • Blaubeeren / Heidelbeeren
  • Ananas
  • Zitrone
  • Orange
  • Grapefruit
  • Apfel
  • Birne
  • Pfirsich
  • Aprikose
  • Cranberries


Getränke und Tees

  • Brennnesseltee
  • Löwenzahntee
  • Hibiskustee
  • Petersilientee
  • Birkenblättertee
  • Goldrutenkrauttee
  • Schachtelhalmtee
  • Rooibos-Tee 
  • Zitronenwasser
  • Gurkenwasser
  • Kokoswasser


Helfen entwässernde Lebensmittel bei Wassereinlagerungen?

Das Wort „entwässernd” klingt beim ersten Lesen sehr vielversprechend – so, als könnten bestimmte Lebensmittel Wassereinlagerungen im Körper wie in den Beinen oder Füßen einfach ausschwemmen. Im Internet kursieren viele Tipps, die versprechen, Wassereinlagerungen durch einzelne Lebensmittel, bestimmte Mahlzeiten oder sogenannte „Detox“-Kuren schnell loszuwerden. Für diese Annahmen gibt es jedoch bisher keine wissenschaftlichen Belege. Tatsächlich gibt es diese Wirkung nur bei bestimmten Kräutern wie Brennnessel, Löwenzahn oder Birkenblättern und auch dann ist der Effekt sehr gering.


Die entwässernde Wirkung der genannten Lebensmittel, vor allem von Obst und Gemüse, bezieht sich in erster Linie auf eine leicht erhöhte Urinmenge. Kaliumreiche Lebensmittel können die Natriumausscheidung über die Nieren zwar geringfügig beeinflussen, sie stellen jedoch keine gezielte Entwässerung von Wassereinlagerungen im Gewebe dar. Zudem können kaliumreiche Lebensmittel bei bestimmten Erkrankungen wie bei chronischer Nierenerkrankung oder Herzinsuffizienz sogar problematisch sein.


Deshalb  lohnt es sich, einen Blick auf die Ursache für Wassereinlagerungen zu werfen: Diese entstehen, weil der Flüssigkeitsaustausch zwischen Blutgefäßen und Gewebe gestört ist. Das ist beispielsweise eine Begleiterscheinung von Krankheiten wie chronischer Nierenerkrankung, Lebererkrankungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wassereinlagerungen können aber auch hormonell bedingt sein oder einfach aufgrund von langen Sitzphasen oder heißem Wetter entstehen.

Was hilft wirklich bei Wassereinlagerungen?

  • Salzarm essen: Eine zu hohe Salzaufnahme begünstigt, dass Wasser im Gewebe eingelagert wird. Eine salzarme Ernährung hilft, den Flüssigkeitshaushalt zu regulieren.
  • Ausreichend trinken: Eine gute Flüssigkeitszufuhr von 1,5 bis 2 Litern pro Tag unterstützt den Transport von Blut und Lymphe und verhindert, dass der Körper Wasser „festhält“. 
  • Regelmäßig bewegen: Langes Sitzen oder Stehen sollte immer wieder unterbrochen werden, damit die Muskelpumpe aktiviert wird und das Blut besser aus den Beinen zum Herzen zurückfließen kann.
  • Wechselduschen: Der Wechsel zwischen warmem und kaltem Wasser regt die Durchblutung an und kann Schwellungen entgegenwirken.
  • Beine hochlegen: Durch das Hochlagern der Beine unterstützt die Schwerkraft den Abfluss eingelagerter Flüssigkeit.
  • Alkohol meiden: Alkohol entzieht dem Körper Flüssigkeit, kann aber gleichzeitig Wassereinlagerungen fördern.
  • Massagen und Lymphdrainage: Sanfte Massagen der betroffenen Körperstellen können Spannungsgefühle lindern und den Abfluss der Flüssigkeit unterstützen. Besonders wirksam ist die manuelle Lymphdrainage, bei der geschulte Fachkräfte durch spezielle, sanfte Grifftechniken den Lymphfluss anregen.
  • Kompressionsstrümpfe: Medizinische Kompressionsstrümpfe fördern den Rückfluss des Blutes aus den Beinen und können Wassereinlagerungen reduzieren.
  • Diuretika (Entwässerungsmedikamente): Diuretika können Wassereinlagerungen verringern, indem sie die Ausscheidung von Flüssigkeit über die Nieren erhöhen. Sie werden jedoch nur bei bestimmten Ursachen eingesetzt – etwa bei Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen – und dürfen ausschließlich ärztlich verordnet werden.

Gibt es auch eine unerwünscht entwässernde Wirkung?

Ja, nicht jede entwässernde Wirkung ist hilfreich. Einige Lebensmittel und Getränke erhöhen zwar die Urinmenge, können Wassereinlagerungen aber verschlimmern statt lindern. Ein bekanntes Beispiel ist Alkohol.


Alkohol hemmt im Gehirn die Ausschüttung des antidiuretischen Hormons (ADH). Dieses Hormon sorgt normalerweise dafür, dass Wasser im Körper zurückgehalten wird. Wird ADH gehemmt, scheiden die Nieren kurzfristig mehr Flüssigkeit über den Urin aus. Der Körper verliert dabei nicht nur Wasser, sondern auch Elektrolyte.


Als Reaktion versucht der Organismus, dieses Ungleichgewicht auszugleichen, indem er Flüssigkeit im Gewebe zurückhält. Das kann dazu führen, dass man sich nach dem Alkoholkonsum trotz häufigen Wasserlassens aufgedunsen fühlt – zum Beispiel im Gesicht oder in den Beinen. Bei bestehenden Wassereinlagerungen ist Alkohol daher nicht empfehlenswert. Er kann den Flüssigkeitshaushalt zusätzlich belasten und bestehende Schwellungen verstärken, statt sie zu reduzieren.

Zusammenfassung

Viele Beiträge im Internet versprechen bei bestimmten Lebensmitteln eine entwässernde Wirkung. In den meisten Fällen erhöhen diese jedoch lediglich den Harndrang – bei Wassereinlagerungen im Gewebe helfen sie deshalb nur bedingt. Wer unter Wassereinlagerungen leidet, sollte daher vor allem auf andere Maßnahmen setzen. Dazu gehören unter anderem eine salzarme Ernährung, regelmäßige Bewegung und Wechselduschen. Akut kann es außerdem helfen, die Beine hochzulegen.


Bestimmte Kräuter wie Brennnessel, Löwenzahn oder Birkenblätter können bei leichten Wassereinlagerungen helfen, ihre Wirkung ist jedoch mild. Bei anhaltenden oder ausgeprägten Wassereinlagerungen können Diuretika (Entwässerungstabletten) notwendig sein. Diese sollten jedoch ausschließlich nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden.

Quellen

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Wright, C. I., Van-Buren, L., Kroner, C. I., & Koning, M. M. G.

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Edema (Water Retention) – Diagnosis & Treatment.

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https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/edema/diagnosis-treatment/drc-20366532

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Dr. med Daniela Rose

Diabetologin und Nephrologin, NEDD*Grünstadt

Daniela Rose ist Fachärztin für Innere Medizin, Nephrologie, Endokrinologie und Diabetologie und seit 8 Jahren bei NEDD*Grünstadt tätig. Sie hat mehr als 20 Jahre klinische Erfahrung, unter anderem früher als Oberärztin bei der Universitätsmedizin Mannheim.