Zurück zu: Gesundheitmagazin

Was sind chronische Entzündungen?

Immer mehr Menschen leiden unter chronischen Entzündungen. Was sind die Ursachen dafür und was kann man dagegen tun?
Photo of Dr. med Anh-Thu Hentschel
Dr. med Anh-Thu Hentschel

Nephrologin,
Nephrologicum Lausitz

Eine Entzündung ist grundsätzlich nichts Schlechtes, sondern eine wichtige Reaktion des Abwehrsystems im Körper. Problematisch wird sie jedoch, wenn sie über längere Zeit bestehen bleibt. In Deutschland leiden Millionen von Menschen unter chronischen Entzündungen (auch „stille Entzündungen”) – und die Zahl nimmt stetig zu. Warum ist eine chronische Entzündung so verbreitet und was zeichnet sie aus?


Was ist überhaupt eine Entzündung?

Bei einer Entzündung reagiert der menschliche Körper auf einen inneren oder äußeren Reiz, der eine potentielle Gefahr darstellt. Zu diesen Reizen zählen unter anderem Keime, Verletzungen, Fremdkörper oder giftige Substanzen. Wenn dieser schädigende Reiz versucht, in den Körper zu gelangen, sendet das Immunsystem seine ersten Einsatzkräfte raus. Dazu zählen spezielle Immunzellen sowie Botenstoffe, die Zytokine, die die Entzündungsreaktion steuern und verstärken. Ihre Aufgabe ist es, den schädigenden Reiz wieder zu beseitigen und den Heilungsprozess einzuleiten. Eine Entzündung ist damit nichts Unerwünschtes, das man vermeiden möchte. Sie ist ein wichtiger Abwehrmechanismus des Immunsystems. 


Unterschied akute und chronische Entzündung

Als Teil des natürlichen Abwehrmechanismus können Entzündungen akut oder chronisch auftreten. Das bedeutet, dass sie entweder kurzzeitig als Reaktion auf einen schädigenden Reiz entstehen oder über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben.


Akute Entzündung

Akute Entzündungen werden meistens durch Verletzungen, Krankheitserreger oder schädliche Stoffe ausgelöst. Sie können sowohl Gewebe als auch Organe betreffen. Die Entzündungsreaktion beginnt meist plötzlich, verstärkt sich innerhalb kurzer Zeit und hält in der Regel nur einige Tage an. 


Diese Form der Entzündung kennt man aus dem Alltag: Bei einer Schnittwunde am Finger reagiert der Körper häufig mit einer leichten Entzündung, um den Heilungsprozess in Gang zu setzen. Ein weiteres Beispiel sind Bakterien im Rachenbereich: Auch hier ist eine Entzündung eine typische Reaktion des Immunsystems, wodurch es zu einer Mandelentzündung (Tonsillitis) kommen kann.


Chronische Entzündung

Ist der Körper einem schädigenden Reiz über einen langen Zeitraum ausgesetzt, kann eine chronische Entzündung entstehen. Diese meist langsam verlaufende, langfristige Entzündungsreaktion kann über Monate oder sogar Jahre bestehen. Wie stark eine chronische Entzündung ausgeprägt ist und welche Auswirkungen sie auf den Körper hat, hängt davon ab, was sie ausgelöst hat und wie gut der Körper dem Schaden entgegenwirkt.


Auch chronische Entzündungen können verschiedene Gewebe und Organe betreffen. Aus einer chronischen Entzündung kann sich eine chronisch-entzündliche Erkrankung entwickeln. Verbreitet sind beispielsweise chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Mehr dazu erfahren Sie später im Text. 


Was sind Ursachen für chronische Entzündungen?

Bei chronischen Entzündungen schafft es der Körper nicht, den schädigenden Reiz vollständig zu eliminieren und so den Heilungsprozess erfolgreich abzuschließen. Dafür gibt es verschiedene Ursachen.

Anhaltende Infektionen

Gelingt es dem Körper nicht, die Krankheitserreger vollständig zu beseitigen, die ursprünglich eine akute Entzündung ausgelöst haben, kann sich daraus eine chronische Entzündung entwickeln. Zu diesen Krankheitserregern zählen Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten. 

Dauerhafte Belastung durch Reizstoffe

Selbst geringe Mengen an Schadstoffen können über längere Zeit eine chronische Entzündung auslösen, wenn der Körper sie nicht ausreichend eliminiert. Beispiele hierfür sind Umwelt- und Industriechemikalien wie Feinstaub.

Autoimmunerkrankungen

Bei Autoimmunerkrankungen greift das Immunsystem fälschlicherweise gesunde Zellen an und beschädigt körpereigenes Gewebe. Durch diesen Vorgang entsteht eine chronische Entzündung, die wiederum zu Erkrankungen von Organen wie den Atemwegen, dem Darm, der Haut, dem Nervensystem, den Nieren, den Gefäßen oder der Schilddrüse führen kann.

Autoinflammatorische Erkrankungen

Hierbei kommt es zu Entzündungsreaktionen, die keinen konkreten Auslöser haben. Das Immunsystem reagiert wie bei Krankheitserregern, es sind aber gar keine vorhanden. Bei autoinflammatorischen Erkrankungen sind bestimmte Zellen des Immunsystems  sehr aktiv – dazu zählen etwa Fresszellen (fachsprachlich Phagozyten oder Makrophagen), bei denen es sich um spezialisierte weiße Blutkörperchen handelt. Die Entzündungsreaktionen treten im gesamten Körper auf.

Wiederholte akute Entzündungen

Treten häufig akute Entzündungen auf und heilen diese nicht vollständig aus, kann daraus eine chronische Entzündung entstehen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die chronische Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), aber auch Atemwege, Ohren oder die Haut können davon betroffen sein.

Stoffwechselbedingte Entzündungsprozesse

Bei Stoffwechselprozessen entstehen verschiedene Abbauprodukte wie freie Radikale, Harnsäurekristalle oder Zucker-Eiweiß-Verbindungen. Wenn sich diese anhäufen, kann es zu Entzündungsprozessen kommen. Bei der Erkrankung Gicht sammeln sich beispielsweise Harnsäurekristalle in den Gelenken ab, die zu chronischen Entzündungen führen.

Erkrankungen bei chronischen Entzündungen

Chronische Entzündungen können auf unterschiedliche Weise mit Erkrankungen zusammenhängen. Sie können zum einen ein zentrales Krankheitsmerkmal sein, sie können aber auch zu einer Erkrankung führen oder die Folge einer Erkrankung sein.

Chronische Entzündungen als Bestandteil einer Erkrankung

Bei bestimmten Erkrankungen ist die chronische Entzündung das Hauptmerkmal der Erkrankung. Das heißt, dass es die Krankheit ohne die Entzündung auch nicht gäbe. Beispiele hierfür sind: 


  • Rheumatoide Arthritis (chronische Entzündung der Gelenke)
  • Morbus Crohn (chronische Entzündung des Darms)
  • Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)
  • Psoriasis (chronische Entzündung der Haut)
  • Akne (chronisch-entzündliche Hauterkrankung)
  • Helicobacter-pylori-Infektion (chronische Magenschleimhautentzündung)

Chronische Entzündungen als (Mit-)Ursache einer Erkrankung

Chronische Entzündungen können bei bestimmten Erkrankungen zur Entstehung oder zur Verschlechterung der Erkrankung führen. Die Entzündungen sind damit ein Risikofaktor. 


Beispiele hierfür sind:

  • Arteriosklerose (Arterienverkalkung): chronische Entzündungen der Gefäßwände fördern Ablagerungen und Gefäßverengungen führen zu einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Typ-2-Diabetes: anhaltende Entzündungsprozesse können die Insulinwirkung beeinträchtigen und eine Insulinresistenz begünstigen
  • Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD / MASLD): Fetteinlagerung in der Leber führt zu Zellschädigungen und entzündlichen Prozessen, höheres Risiko für Leberfibrose und -zirrhose 

Chronische Entzündungen als Folge einer Erkrankung

Infolge einer Erkrankung können chronische Entzündungen entstehen. Diese sind auf entzündungsfördernde Abbauprodukte zurückzuführen, die nicht ausreichend ausgeschieden werden und sich dadurch ablagern.


Beispiele hierfür sind:

  • Chronische Nierenerkrankung (CKD): eingeschränkte Ausscheidung entzündungsfördernder Stoffe → systemische Entzündung
  • Gicht: erhöhter Harnsäurespiegel → Kristallablagerung in den Gelenken → chronische Entzündung; häufig bei eingeschränkter Nierenfunktion
  • Chronische Virusinfektionen, z. B. Hepatitis B oder Hepatitis C: Virus verbleibt dauerhaft im Körper → anhaltende Entzündung der Leber

Chronische Entzündungen beschränken sich meistens nicht auf einzelne Organe, sondern betreffen den gesamten Körper. Die Krankheiten überschneiden sich und erfordern deshalb eine fachrichtungsübergreifende Behandlung.  In der Medizin gelten chronische Entzündungen deshalb als „Chamäleon“ – sie können sich je nach betroffenem Organ sehr unterschiedlich äußern.

„Stille Entzündungen”: Symptome von chronischen Entzündungen

Mit der Vielfalt an Krankheitsbildern geht auch eine Vielfalt an Symptomen einher. Die Anzeichen bei chronischen Entzündungen sind nicht immer spezifisch und können auch erst sehr spät auftreten – das unterscheidet eine chronische Entzündung klar von einer akuten. Chronische Entzündungen werden deshalb auch „stille Entzündungen” genannt.


Eine akute Entzündung ist durch typische Anzeichen wie Rötung, Schwellung, Schmerz und Wärme in der betroffenen Körperregion gekennzeichnet. Häufig tritt zusätzlich Fieber auf. 


Bei chronischen Entzündungen ist das meist anders: Die Entzündungsreaktion verläuft weniger auffällig, bleibt dafür jedoch dauerhaft aktiv. Je nach Grunderkrankung kann es akute Phasen geben, in denen die Beschwerden deutlich zunehmen, bevor sie wieder abklingen. Zwar ist jede Erkrankung durch spezifische Symptome geprägt, im Folgenden stehen jedoch die allgemeinen Anzeichen einer chronischen, häufig systemischen Entzündung im Fokus.

Typische Symptome einer chronischen Entzündung sind

  • Körper- und Muskelschmerzen (z. B. Gelenkschmerzen oder Muskelschmerzen)
  • Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung, Schlafstörungen
  • Psychische Beschwerden (z.B. depressive Verstimmungen, Angstgefühle oder Stimmungsschwankungen)
  • Magen-Darm-Beschwerden (z.B. Verstopfung, Durchfall oder Sodbrennen)
  • Gewichtsveränderungen (unbeabsichtigte Gewichtszunahme oder -abnahme)
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Häufige oder langwierige Infekte

Risikofaktoren für chronische Entzündungen

Chronische Entzündungen treten weltweit zunehmend häufiger auf. Da sie mit zahlreichen chronischen Erkrankungen in Zusammenhang stehen, stellen sie eine erhebliche Herausforderung für das Gesundheitssystem dar. Bestimmte Faktoren können das Risiko für die Entstehung chronischer Entzündungsprozesse erhöhen.

Risikofaktoren für chronische Entzündungen

  • Alter: Mit zunehmendem Alter kommt es häufiger zu einer dauerhaft leicht erhöhten Entzündungsaktivität. Zellveränderungen und freie Radikale können diese Prozesse zusätzlich verstärken.
  • Starkes Übergewicht (Adipositas): Fettgewebe kann entzündungsfördernde Botenstoffe ausschütten, die zu einer Entzündung führen können. Diese Entzündungsprozesse stehen im Zusammenhang mit Insulinresistenz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und dem Metabolischen Syndrom.
  • Ernährung: Eine Ernährung, die reich an gesättigten Fettsäuren, Transfetten und raffiniertem Zucker ist, steht im Zusammenhang mit einer erhöhten Freisetzung von entzündungsfördernden Botenstoffen. 
  • Rauchen: Tabakkonsum kann die Produktion entzündungshemmender Botenstoffe verringern.
  • Stress und Schlafstörungen: Sowohl körperlicher als auch emotionaler Stress können Entzündungsreaktionen im Körper verstärken.
  • Alkohol: Häufiger Alkoholkonsum kann die Immunfunktion beeinträchtigen und entzündliche Prozesse im Körper fördern.
  • Umwelteinflüsse: Die Belastung durch Luftverschmutzung, Industriechemikalien und gefährliche Abfälle kann nachweislich systemische Entzündungsprozesse auslösen.
  • Infektionen: Bestimmte Virus-, Bakterien- oder Parasiteninfektionen können chronische Entzündungsprozesse auslösen, wenn die Erreger dauerhaft im Körper verbleiben.

Warum sind chronische Entzündungen gefährlich?

Wie bereits weiter oben beschrieben, stehen chronische Entzündungen in engem Zusammenhang mit verschiedenen Erkrankungen. Sie sind nicht nur ein Merkmal vieler Krankheiten, sondern können auch selbst zur Entstehung und Verschlechterung schwerwiegender Gesundheitsprobleme beitragen. Laufen dauerhaft Entzündungsprozesse im Körper ab, kann dies unter anderem zu Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes führen. Auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall kann steigen. Zudem treten bestimmte Krebsarten im Zusammenhang mit chronischen Entzündungen häufiger auf.

Was kann man gegen chronische Entzündungen tun?

Nicht alle Ursachen für chronische Entzündungen lassen sich beeinflussen. Dazu zählen beispielsweise genetische Veranlagungen für bestimmte Erkrankungen. Es gibt aber dennoch Möglichkeiten, um chronische Entzündungen im Körper zu mindern und sich überhaupt davor zu schützen. Diese betreffen vor allem den Lebensstil.

Antientzündliche Ernährung

In den Medien wird häufig von der einen „antientzündlichen Ernährung” gesprochen, diese gibt es pauschal aber nicht. Eine entzündungshemmende Wirkung ergibt sich nicht durch einzelne Lebensmittel, sondern durch das Zusammenspiel verschiedener Ernährungsfaktoren. Das eine „Superfood”, das etwas bewirkt, gibt es nicht.


Wichtig ist vor allem eine Ernährung mit:

  • möglichst wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln
  • einem geringen Anteil an gesättigten Fettsäuren
  • wenig zugesetztem Zucker
  • einem moderaten Salzverbrauch

Empfehlenswert ist hingegen eine Ernährung mit:

  • viel frischem Gemüse und Obst
  • regelmäßigem Verzehr von Vollkornprodukten
  • hochwertigen pflanzlichen Ölen wie Olivenöl
  • Lebensmitteln mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren (z.B. fettreicher Fisch, Nüsse oder Avocado)

Ausreichend Bewegung

Regelmäßige Bewegung kann Entzündungsprozesse im Körper reduzieren. Dieser Effekt ist unabhängig davon, ob dabei Gewicht verloren wird oder nicht.

Stress reduzieren

Auch wenn ein Leben ganz ohne Stress kaum möglich ist, ist es sinnvoll, bestimmte Stressoren bewusst zu mindern. Ausreichend Ruhepausen neben Alltagsverpflichtungen wie Arbeit helfen dem Körper dabei, vermehrt runterzufahren. Wichtig ist, sowohl körperlichen als auch emotionalen Stress zu reduzieren.

Zusammenfassung

Von einer chronischen Entzündung spricht man, wenn eine Entzündungsreaktion nicht innerhalb weniger Tage abklingt, sondern über Monate oder sogar Jahre anhält. Chronische Entzündungen können sowohl Ursache als auch Bestandteil oder Folge einer Erkrankung sein. Sie sind beispielsweise das Hauptmerkmal von chronisch-entzündlichen Krankheiten wie Morbus Crohn oder rheumatoider Arthritis. Eine chronische Entzündung kann aber auch das Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes Typ 2 erhöhen oder in Folge einer Erkrankung auftreten – z.B. in Form von Gicht. 


Bestimmte Faktoren wie Alter, starkes Übergewicht, Ernährung oder Rauchen erhöhen das Risiko für chronische Entzündungen. Ein gesunder Lebensstil ist der wirkungsvollste Weg, um sich vor chronischen Entzündungen zu schützen.


Quellen

Cleveland Clinic. What Is Inflammation? Types, Causes & Treatment. Abgerufen am 15.12.2025,

https://my.clevelandclinic.org/health/symptoms/21660-inflammation


Pahwa, R., Goyal, A., & Jialal, I.

Chronic Inflammation.

StatPearls Publishing, Treasure Island (FL), 2025.

Abgerufen am 15.12.2025,

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK493173/

PMID: 29630225


Harvard Health Publishing. Easy Ways to Keep Inflammation in Check. 

Abgerufen am 15.12.2025,

https://www.health.harvard.edu/staying-healthy/easy-ways-to-keep-inflammation-in-check


Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Die unbekannte Seite der chronischen Entzündung. 

Abgerufen am 15.12.2025,

https://www.uni-kiel.de/de/unizeit/uz/news/chronische-entzuendungen

Photo of Dr. med Anh-Thu Hentschel
Dr. med Anh-Thu Hentschel

Nephrologin,
Nephrologicum Lausitz

Dr. Anh-Thu Hentschel ist Fachärztin im Nephrologicum Lausitz, zuvor war sie im Carl-Thiem-Klinikum Cottbus tätig. Ihre Schwerpunkte sind Peritonealdialyse und Ernährung in der ambulanten Versorgung. Als medizinische Beraterin unterstützt sie Oska dabei, Menschen mit chronischen Erkrankungen individuell zu begleiten.