Triglyceride erhöht: Was heißt das und was tut man dagegen?
Nephrologin, Nephrologicum Lausitz
Wurde in Ihrem letzten Bluttest der „Triglycerid-Wert“ erwähnt? Dann fragen Sie sich vielleicht, was genau dahintersteckt. Triglyceride sind eine Form von Fett im Blut und ein wichtiger Bestandteil des Fettstoffwechsels. In diesem Beitrag erfahren Sie, was Triglyceride sind, warum der Wert im Blut wichtig ist und was erhöhte Werte für Ihre Gesundheit bedeuten.
Was sind Triglyceride?
Triglyceride sind eine Form von Fett im Blut, die dem Körper vor allem als Energiespeicher dient. Fette sind ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Körpers und werden täglich über die Nahrung aufgenommen – zum Beispiel über Fleisch, Fisch, Pflanzenöle oder Nüsse. Ein Großteil dieser Nahrungsfette sowie der im Körper gespeicherten Fette liegt in Form von Triglyceriden vor.
Chemisch bestehen Triglyceride aus einem Glycerin-Molekül, an das drei Fettsäuren gebunden sind. Der Körper kann Triglyceride sowohl aus der Nahrung aufnehmen als auch selbst herstellen – die Produktion erfolgt vor allem in der Leber. Über das Blut werden sie zu den Geweben transportiert und überwiegend im Fettgewebe gespeichert.
Welche Rolle spielen Triglyceride im Körper?
Triglyceride erfüllen im Körper vor allem die Funktion eines Energiespeichers. Wenn der Körper mehr Energie aufnimmt, als er aktuell benötigt, wird dieser Überschuss in Form von Triglyceriden gespeichert. Diese Energie kann er bei Bedarf, zum Beispiel zwischen den Mahlzeiten oder bei körperlicher Aktivität, wieder freisetzen und nutzen.
Triglyceride entstehen dabei nicht nur aus aufgenommenen Fetten. Auch überschüssige Kohlenhydrate kann der Körper in Triglyceride umwandeln. Dieser Mechanismus ist sinnvoll, da er dem Körper hilft, Energie für später verfügbar zu machen. Problematisch wird es, wenn dauerhaft mehr Energie aufgenommen als verbraucht wird – dann kann der Triglycerid-Wert im Blut ansteigen.
Der Triglycerid-Wert gibt daher auch Hinweise auf Ernährung und Bewegung. Werden über längere Zeit viele Kohlenhydrate, dazu zählt auch Fruchtzucker, aufgenommen und gleichzeitig wenig Energie verbraucht, wandelt der Körper diesen Überschuss in Triglyceride um. Vereinfacht gesagt: Der Körper stellt aus Zucker Fett her.
Über einen längeren Zeitraum sammelt sich dieses Fett an – als Fett am Körper wie an Bauch oder Oberschenkeln, aber auch in der Leber oder um andere Organe. Durch den gestörten Fettstoffwechsel kann es außerdem zu Ablagerungen in den Blutgefäßen kommen.
Unterschied zwischen Triglyceriden und Cholesterin
Sowohl Triglyceride als auch Cholesterin sind Blutfette. Cholesterin ist unter anderem ein wichtiger Bestandteil der Zellmembranen. Außerdem benötigt der Körper Cholesterin, um bestimmte Hormone zu bilden.
Die Aufgabe von Triglyceriden liegt hingegen in der Energiebereitstellung, sodass der Körper als Energiereserve auf sie zurückgreifen kann. Cholesterin und Triglyceride unterscheiden sich somit in ihrer Funktion. Was sie gemeinsam haben: Erhöhte Werte können in beiden Fällen ein Risiko für die Herz-Kreislauf-Gesundheit darstellen. Beim Arzt bzw. bei der Ärztin werden daher in der Regel beide Werte gemeinsam betrachtet.
Wann wird der Triglycerid-Wert bestimmt?
Triglyceride sind ein wichtiger Wert für den Fettstoffwechsel. Die Bestimmung erfolgt häufig im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen oder wenn ein Verdacht auf eine Störung des Fettstoffwechsels besteht. Auch bei bestehenden Erkrankungen wie Diabetes, Übergewicht oder Bluthochdruck wird der Wert regelmäßig kontrolliert.
Da ein erhöhter Triglycerid-Wert mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sein kann, wird er gemeinsam mit anderen Blutfetten wie Cholesterin betrachtet, um das individuelle Risiko besser einschätzen zu können. Zum Beispiel werden häufig Triglyceride im Verhältnis zum HDL-Cholesterin, dem „guten” Cholesterin, begutachtet.
Was ist der Referenzbereich für Triglyceride?
Die Triglycerid-Werte werden in der Regel im Nüchternzustand bestimmt. Die genauen Referenzbereiche können je nach Labor leicht variieren. Maßgeblich ist daher immer die Einordnung durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt.
- Werte zwischen 150 und 200 mg/dl gelten als grenzwertig erhöht und können oft durch Anpassungen im Lebensstil wie in der Ernährung und durch mehr Bewegung gesenkt werden.
- Ab etwa 200 mg/dl spricht man von erhöhten Triglycerid-Werten, bei denen je nach Gesamtrisiko auch eine medikamentöse Behandlung in Betracht gezogen werden kann.
- Sehr hohe Werte ab etwa 800 mg/dl erhöhen das Risiko für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung – eine ernstzunehmende, potenziell lebensgefährliche Erkrankung. In seltenen Fällen können extrem hohe Werte auch auf eine genetische Stoffwechselstörung hinweisen.
Triglycerid-Wert zu hoch: Was bedeutet das?
Sind zu viele Triglyceride im Blut, sprechen Ärzt:innen von einer „Hypertriglyceridämie“. Wie weiter oben beschrieben, steht der Wert im Zusammenhang mit einem Gesundheitsrisiko. Er kann auf ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie PAVK (Durchblutungsstörung der Beine), Schlaganfall oder Herzinfarkt hinweisen.
Wichtig ist zu beachten, dass es sich bei dem Wert um einen Marker handelt, aber nicht um eine alleinige Ursache.
Was sind Ursachen für einen erhöhten Triglycerid-Wert?
Ein erhöhter Triglyzeridwert entsteht meist dann, wenn über längere Zeit mehr Energie aufgenommen als verbraucht wird. Der Körper wandelt diesen Überschuss in Triglyceride um – ein Teil davon bleibt auch im Blut messbar.
Typische Ursachen sind:
- Ernährung mit vielen Kohlenhydraten wie Haushaltszucker und Fruktose
- Stark verarbeitete Lebensmittel
- Regelmäßiger Alkoholkonsum
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
Erhöhte Triglyceride können außerdem im Zusammenhang mit bestimmten Erkrankungen auftreten, zum Beispiel:
- Diabetes
- Insulinresistenz
- Fettleber
- Schilddrüsenunterfunktion
- Bestimmte Nierenerkrankungen (nephrotisches Syndrom)
In manchen Fällen spielen auch genetische Faktoren eine Rolle. Bestimmte Medikamente können den Triglycerid-Wert ebenfalls erhöhen, zum Beispiel:
- Kortisonpräparate (Glukokortikoide)
- Bestimmte Betablocker
- Bestimmte Entwässerungsmittel (Diuretika)
- Hormonpräparate wie östrogenhaltige Verhütungsmittel
- Bestimmte Psychopharmaka
- Bestimmte Immunsuppressiva
- Bestimmte HIV-Medikamente
Fruchtzucker und Triglyceride
Fruchtzucker, auch Fruktose, klingt zunächst gesünder als haushaltsüblicher Zucker. Tatsächlich findet sich Fruktose nicht nur in Obst, sondern auch in vielen verarbeiteten Lebensmitteln – häufig in Form von Fruktosesirup. Deshalb nehmen Menschen heutzutage viel mehr Fruktose auf als noch früher.
Im Körper wird Fruktose vor allem in der Leber verstoffwechselt. Bei hoher Aufnahme wird ein Teil davon direkt in Fett umgewandelt. Auf diese Weise kann eine erhöhte Zufuhr von Fruktose den Triglycerid-Wert im Blut ansteigen lassen.
Symptome eines erhöhten Triglycerid-Wertes
Erhöhte Triglyzeride gelten als „stiller“ Risikofaktor, da sie sich lange Zeit nicht bemerkbar machen. Dass der Wert erhöht ist, fällt deshalb häufig erst bei einer Blutuntersuchung auf und nicht aufgrund von Beschwerden. Ist der Triglycerid-Wert jedoch über längere Zeit erhöht, können Erkrankungen entstehen, die mit Symptomen einhergehen.
Warum ist ein hoher Triglycerid-Wert gefährlich?
Ist der Triglycerid-Wert langfristig erhöht, kann dies auf eine Störung des Fettstoffwechsels hinweisen und verschiedene Folgeerkrankungen begünstigen. Dazu gehören unter anderem:
- Nicht-alkoholische Fettleber (MASLD)
- Typ-2-Diabetes
- Arteriosklerose (Gefäßverkalkung)
- Herzinfarkt
- Schlaganfall
- Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)
Auch das metabolische Syndrom, eine Kombination aus Bauchfett, Bluthochdruck, gestörtem Zucker- und Fettstoffwechsel, geht häufig mit einem erhöhten Triglycerid-Wert einher. Ein erhöhter Triglycerid-Wert sollte deshalb unbedingt behandelt werden, auch wenn er keine Beschwerden verursacht.
Wie kann man den Triglycerid-Wert senken?
Grundlage, um den Triglycerid-Wert zu senken, sind Veränderungen des Lebensstils. In vielen Fällen lässt sich der Wert dadurch bereits deutlich verbessern.
Ernährung
Da sich der Triglycerid-Wert vor allem erhöht, wenn schnell verdauliche Kohlenhydrate aufgenommen werden, ist es wichtig, auf komplexe Kohlenhydrate umzustellen. Deshalb gilt Folgendes:
- Ausreichend trinken (Wasser oder ungesüßte Tees statt zuckerhaltiger Getränke)
- Vollkornprodukte statt Weißmehlprodukte
- Zucker und Süßigkeiten möglichst reduzieren
- Stark verarbeitete Lebensmittel reduzieren
- Obst in Maßen, vor allem keine großen Mengen Fruchtsäfte
- Mehr ballaststoffreiche Lebensmittel wie Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte
- Gesunde Fette bevorzugen, zum Beispiel aus Nüssen, Samen oder Pflanzenölen
- Regelmäßig Fisch essen (fettreiche Sorten wie Lachs, Makrele und Hering)
- Auf Alkohol möglichst verzichten
Bewegung
Regelmäßige Bewegung ist ein weiterer wichtiger Bestandteil bei den Lebensstilveränderungen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für Erwachsene:
- min. 150–300 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche (z. B. zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen)
oder
- 75–150 Minuten intensive Aktivität pro Woche
Mit körperlicher Aktivität sind aber nicht nur Sporteinheiten gemeint. Auch die Alltagsbewegung ist ein wichtiger Aspekt, der oft vergessen wird. Dazu gehört es, längere Sitzphasen regelmäßig zu unterbrechen und Wege regelmäßig zu Fuß zurückzulegen.
Übergewicht reduzieren
Übergewicht entsteht meist durch ein Ungleichgewicht zwischen Ernährung und Bewegung und wirkt sich direkt auf die Blutfette aus. Eine Gewichtsabnahme kann den Triglycerid-Wert senken. Vor allem bei einem erhöhten Anteil an Bauchfett zeigt sich oft schon bei moderatem Gewichtsverlust ein spürbarer Effekt.
Medikamentöse Therapie
Wenn sich die Triglycerid-Werte durch Veränderungen des Lebensstils nicht ausreichend verbessern oder sehr hoch sind, kann eine medikamentöse Behandlung in Betracht gezogen werden.
Dabei kommen je nach Situation unterschiedliche Wirkstoffe zum Einsatz. Häufig werden sogenannte Fibrate verwendet, die vor allem das Risiko für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung bei sehr hohen Werten senken sollen. Auch Omega-3-Fettsäuren können ergänzend verabreicht werden.
In bestimmten Fällen mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko kann zudem der Wirkstoff Icosapent-Ethyl eingesetzt werden. Bei seltenen genetischen Störungen des Fettstoffwechsels ist eine Behandlung durch spezialisierte Ärzt:innen erforderlich.
Zusammenfassung
Triglyceride sind eine Form von Fett im Blut, die der Körper als Energiespeicher nutzt. Erhöhte Werte entstehen meist dann, wenn über längere Zeit mehr Energie aufgenommen als verbraucht wird – vor allem durch eine zucker- und kohlenhydratreiche Ernährung, wenig Bewegung oder Übergewicht. Da erhöhte Triglyceride keine direkten Beschwerden verursachen, bleiben sie oft lange unbemerkt. Dennoch stehen sie im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Erkrankungen wie Fettleber, Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
In vielen Fällen lässt sich der Wert gut durch Veränderungen im Lebensstil senken. Eine ausgewogene Ernährung mit weniger Zucker, regelmäßige Bewegung und eine Gewichtsreduktion leisten einen wichtigen Beitrag. Beim Zucker ist es auch wichtig, die Aufnahme von Fruchtzucker zu reduzieren.
Quellen
Mayo Clinic. Triglycerides: Why do they matter? Abgerufen am 23.04.2026,
https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/high-blood-cholesterol/in-depth/triglycerides/art-20048186
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Triglyceride. Abgerufen am 23.04.2026,
https://www.gesundheitsinformation.de/triglyceride.html
Schlaganfallbegleitung.de. Triglyceride. Abgerufen am 23.04.2026,
https://schlaganfallbegleitung.de/wissen/triglyceride
Nephrologin, Nephrologicum Lausitz
Dr. Anh-Thu Hentschel ist Fachärztin im Nephrologicum Lausitz, zuvor war sie im Carl-Thiem-Klinikum Cottbus tätig. Ihre Schwerpunkte sind Peritonealdialyse und Ernährung in der ambulanten Versorgung. Als medizinische Beraterin unterstützt sie Oska dabei, Menschen mit chronischen Erkrankungen individuell zu begleiten.