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Prädiabetes: Ursachen, Symptome und was Sie tun können

Erhöhte Blutzuckerwerte als Vorstufe von Typ-2-Diabetes bleiben oft lange unbemerkt. Häufig steckt eine Insulinresistenz dahinter.
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Dr. med. Daniela Rose

Diabetologie, Nephrologie

Rund ein Fünftel der Erwachsenen in Deutschland hat Prädiabetes. Das Tückische ist: Viele von ihnen wissen nichts davon. Prädiabetes ist eine Vorstufe von Typ-2-Diabetes, bei dem die Zuckerwerte bereits erhöht sind. Bleibt er unbehandelt, steigt nicht nur das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, sondern auch für weitere gesundheitliche Komplikationen. Umso wichtiger ist es, Prädiabetes frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern. 

Was ist Prädiabetes?

Prädiabetes ist eine Vorstufe von Typ-2-Diabetes. Dabei sind die Blutzuckerwerte bereits erhöht, aber noch nicht so, dass man von Diabetes spricht. Auch wenn kein Diabetes vorliegt, ist der Zuckerstoffwechsel bei Prädiabetes schon gestört. Der Körper hat bereits Probleme mit der Verarbeitung von Insulin

Prädiabetes und Insulinresistenz

Prädiabetes entsteht meist infolge einer Insulinresistenz. Dabei reagieren die Körperzellen in Muskeln, Fettgewebe und Leber weniger empfindlich auf das körpereigene Hormon Insulin – sie sind also „resistent“.


Insulin hat die Aufgabe, Zucker (Glukose) aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Das Hormon wirkt wie ein Schlüssel, der die Zellwände wie eine Tür öffnet und den Zucker in die Zellen schleust. Wenn die Zellen jedoch schlechter auf Insulin ansprechen, bleibt mehr Zucker im Blut. Um den Blutzuckerspiegel dennoch möglichst stabil zu halten, produziert die Bauchspeicheldrüse zunächst mehr Insulin. Anfangs, sogar über Jahre, kann sie diesen Mehrbedarf ausgleichen. So bleiben auch bei Untersuchungen die Blutzuckerwerte noch unauffällig. Mit der Zeit reicht die Insulinmenge jedoch nicht mehr aus und die Blutzuckerwerte steigen an. In diesem Stadium spricht man von Prädiabetes. Das heißt, dass die Insulinresistenz schon lange bestehen kann, bevor es überhaupt zu Prädiabetes kommt.

Insulinresistenz schon vor Prädiabetes erkennen

Eine Insulinresistenz besteht häufig bereits über Jahre, bevor die Blutzuckerwerte ansteigen. In dieser Phase kann der Nüchternblutzucker noch im Normbereich liegen.


Hinweise auf eine Insulinresistenz lassen sich durch die Bestimmung von Nüchtern-Insulin und Nüchtern-Glukose im Blut gewinnen. Aus diesen beiden Werten kann der sogenannte HOMA-Index (Homeostasis Model Assessment) berechnet werden. Er gibt Auskunft darüber, wie stark die Insulinwirkung im Körper möglicherweise bereits eingeschränkt ist.

Diagnose: Bei welchen Blutzuckerwerten spricht man von Prädiabetes?

Bei Prädiabetes sind die Blutzuckerwerte bereits erhöht. Da die Blutzuckerwerte über den Tag schwanken, gibt es Referenzbereiche. Um Prädiabetes zu diagnostizieren, werden folgende Blutwerte gemessen:

  • Nüchternblutzucker
  • HbA1c (Blutzucker-Langewert)
  • Oraler Glukosetoleranztest (oGTT-2-h-Wert)


Der Blutzucker kann in zwei verschiedenen Einheiten bewertet werden. Es ist wichtig, diese zu berücksichtigen.

Ursachen für Prädiabetes: Wie entsteht eine Insulinresistenz?

Wie genau sich eine Insulinresistenz entwickelt, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch bestimmte Faktoren, die das Risiko erhöhen.


Risikofaktoren für Prädiabetes:

  • Übergewicht (vor allem Bauchfett)
  • Bewegungsmangel
  • Dauerhaft kalorienreiche und zuckerreiche Ernährung
  • Genetische Veranlagung (Typ-2-Diabetes in der Familie)
  • Höheres Lebensalter
  • Hormonelle Veränderungen oder Erkrankungen (z. B. PCOS)
  • Chronischer Stress
  • Schlafmangel
  • Chronische Entzündungen („Stille Entzündungen”)
  • Schwangerschaftsdiabetes in der Vergangenheit
  • Hormonelle Erkrankungen wie das Cushing-Syndrom oder Akromegalie (selten)
  • Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Glucocorticoide)

Warum spielt Bauchfett eine so große Rolle bei Prädiabetes?

Übergewicht zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung einer Insulinresistenz. Studien zeigen, dass vor allem Bauchfett, medizinisch als viszerales Fettgewebe bezeichnet, dabei eine zentrale Rolle spielt. Dieses Fett liegt nicht nur unter der Haut, sondern auch im Bauchraum und umgibt dort die inneren Organe.

Im Gegensatz zu anderem Körperfett ist viszerales Fett stoffwechselaktiv. In diesem Gewebe laufen vermehrt entzündliche Prozesse ab. Dabei werden Botenstoffe freigesetzt, die Entzündungsreaktionen im Körper fördern und die Wirkung von Insulin in den Zellen abschwächen. Die Zellen reagieren dadurch weniger empfindlich auf Insulin – eine Insulinresistenz kann entstehen.

Mit zunehmendem Anteil an Bauchfett steigt in der Regel auch das Risiko für Störungen der Blutzuckerregulation. Ein erhöhtes Risiko betrifft jedoch nicht nur stark übergewichtige Menschen. Auch Personen mit normalem Körpergewicht können vermehrt viszerales Fett aufweisen. Umgangssprachlich spricht man hier manchmal von „skinny fat“. Gemeint sind Menschen, die äußerlich schlank wirken, aber einen erhöhten Anteil an stoffwechselaktivem Bauchfett haben. Nicht allein das Körpergewicht, sondern auch die Fettverteilung im Körper spielt daher eine wichtige Rolle.

Metabolisches Syndrom und Prädiabetes

Von einem metabolischen Syndrom sprechen Mediziner:innen, wenn mehrere bestimmte Risikofaktoren gleichzeitig auftreten, die zusammen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes erhöhen. Das Syndrom ist keine eigenständige Erkrankung, sondern eine Kombination von Stoffwechselstörungen, die sich gegenseitig verstärken können.


International, etwa nach den Kriterien der American Heart Association (AHA) und der International Diabetes Federation (IDF), gilt ein metabolisches Syndrom als diagnostiziert, wenn mindestens drei der folgenden fünf Merkmale vorliegen:

  • Bauchbetontes Übergewicht (abdominelle Adipositas): Taillenumfang über 94 cm bei Männern bzw. über 80 cm bei Frauen
  • Erhöhte Triglyzeridwerte: ≥ 150 mg/dl
  • Niedriges HDL-Cholesterin: < 40 mg/dl bei Männern bzw. < 50 mg/dl bei Frauen
  • Bluthochdruck: ≥ 130/85 mmHg oder bereits antihypertensive Therapie
  • Erhöhter Nüchternblutzucker: ≥ 100 mg/dl oder bereits diagnostizierter Diabetes mellitus Typ 2


Diese Kriterien zeigen, dass metabolisches Syndrom und Prädiabetes eng miteinander verbunden sind. Viele Patient:innen mit metabolischem Syndrom haben auch Prädiabetes und umgekehrt. Häufig liegt beiden Zuständen eine Insulinresistenz zugrunde.

Warum ist Prädiabetes gefährlich?

Das gesundheitliche Risiko bei Prädiabetes beschränkt sich nicht nur auf die mögliche Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Bereits in diesem Stadium, in dem dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte auftreten, ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Dazu zählen unter anderem Herzinfarkt, Schlaganfall und Gefäßerkrankungen.

Zudem tritt Prädiabetes häufig gemeinsam mit weiteren Stoffwechselstörungen wie erhöhtem Blutdruck, ungünstigen Blutfettwerten oder einer Fettleber auf. Diese Faktoren können sich gegenseitig verstärken und das Risiko für langfristige Folgeerkrankungen erhöhen.

Symptome von Prädiabetes

Bei Prädiabetes treten keine oder sehr unspezifische Symptome auf. Dadurch merken viele lange Zeit nichts davon. In manchen Quellen werden zwar Symptome genannt, diese sind aber wissenschaftlich noch nicht belegt.


Dazu zählen:

  • Müdigkeit oder Energielosigkeit
  • Dunkle Hautveränderungen (Acanthosis nigricans), häufig am Nacken, in Achseln, Leisten oder Hautfalten
  • Weitere mögliche Hautveränderungen (z.B. etwas verdickte Haut oder sehr trockene Haut)
  • Verlangsamte Wundheilung


Diese Symptome können aber auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten, ohne dass sie Prädiabetes haben. Wenn Symptome wie Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit auftreten, liegt in der Regel schon Typ-2-Diabetes vor. 

Was kann man gegen Prädiabetes tun?

Unbehandelt entwickeln vier von zehn Menschen mit Prädiabetes innerhalb von vier Jahren einen Diabetes Typ 2. Das verdeutlicht, wie wichtig es ist, rechtzeitig gegen erhöhte Blutzuckerwerte gegenzusteuern. Die Diagnose von Prädiabetes ist so etwas wie das „letzte Warnsignal”, um aktiv zu werden. Denn mit „Behandlung“ ist in den meisten Fällen keine medikamentöse Therapie gemeint. Die wichtigsten Maßnahmen beziehen sich auf Lebensstiländerungen, mit denen sich die Insulinempfindlichkeit des Körpers verbessert. Ziel ist es, die erhöhten Blutzuckerwerte wieder zu normalisieren.

Behandlung von Prädiabetes: Ernährungsumstellung

  • Ballaststoffreiche Lebensmittel (Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte)
  • weniger stark verarbeitete und zuckerreiche Produkte
  • ausgewogene Eiweißzufuhr
  • bevorzugt ungesättigte Fette (z. B. aus Nüssen, Olivenöl, Fisch)

Behandlung von Prädiabetes: Körperliche Aktivität

Regelmäßige Bewegung ist ein weiterer wichtiger Bestandteil bei den Lebensstilveränderungen. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für Erwachsene:


  • min. 150–300 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche (z. B. zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen)

oder

  • 75–150 Minuten intensive Aktivität pro Woche


Mit körperlicher Aktivität sind aber nicht nur Sporteinheiten gemeint. Auch die Alltagsbewegung ist ein wichtiger Aspekt, der oft vergessen wird. Dazu gehört es, längere Sitzphasen regelmäßig zu unterbrechen und Wege regelmäßig zu Fuß zurückzulegen.

Muss man bei Prädiabetes abnehmen?

Lebensstiländerungen sollen verhindern, dass sich aus einem Prädiabetes ein Typ-2-Diabetes entwickelt. Im besten Fall normalisieren sich die Blutzuckerwerte wieder. Grundlage dafür sind eine angepasste Ernährung und regelmäßige Bewegung.

Liegt Übergewicht vor, kann eine Gewichtsabnahme sinnvoll sein. Sie ist jedoch nicht in jedem Fall zwingend notwendig. Studien zeigen, dass sich der Zuckerstoffwechsel auch ohne deutliche Gewichtsabnahme verbessern kann, wenn Ernährung und Bewegung langfristig umgestellt werden.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Fettverteilung. Vor allem Bauchfett wirkt sich ungünstig auf den Stoffwechsel aus. Wenn sich durch Lebensstilveränderungen das viszerale Fett verringert, kann sich auch die Blutzuckerregulation verbessern – selbst dann, wenn sich das Körpergewicht insgesamt kaum verändert.

Hafertage bei Prädiabetes

Hafertage sind eine Maßnahme, die begleitend zu einer Ernährungsumstellung durchgeführt werden kann. Dabei wird die Kalorienzufuhr reduziert und über mehrere Tage hinweg hauptsächlich Haferbrei oder Haferschleim gegessen.

Hafer enthält viele lösliche Ballaststoffe wie Beta-Glucane. Diese können dazu beitragen, dass der Blutzucker nach dem Essen langsamer ansteigt und sich dadurch die Insulinempfindlichkeit verbessern kann.

Hafertage sollten nur in Absprache mit der behandelnden Ärztin, dem behandelnden Arzt oder einer medizinischen Ernährungsberatung durchgeführt werden. Wichtig: Sie können eine Ernährungsumstellung unterstützen, ersetzen sie jedoch nicht.

Zusammenfassung

Prädiabetes ist eine Vorstufe von Typ-2-Diabetes. Die Blutzuckerwerte sind bereits erhöht, liegen aber noch nicht im Diabetes-Bereich. Ursache ist meist eine Insulinresistenz, die oft schon viele Jahre besteht, bevor sie im Blutbild auffällt. Da Prädiabetes in der Regel keine klaren Beschwerden verursacht, bleibt er häufig lange unentdeckt. Das Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist aber bereits erhöht.


Eine wichtige Rolle bei der Entstehung spielen vor allem Bauchfett, Bewegungsmangel und eine dauerhaft ungünstige Ernährung. Häufig tritt Prädiabetes gemeinsam mit weiteren Stoffwechselveränderungen im Rahmen eines metabolischen Syndroms auf.


Im Stadium des Prädiabetes lässt sich der Verlauf noch beeinflussen. Eine angepasste Ernährung, regelmäßige Bewegung und, falls nötig, eine Gewichtsreduktion können dazu beitragen, die Blutzuckerwerte wieder in den Normbereich zu bringen. Wichtig ist dabei nicht nur das Körpergewicht, sondern vor allem die Fettverteilung. Je früher Prädiabetes erkannt wird, desto effektiver kann etwas dagegen unternommen werden.

Quellen

Mayo Clinic

Prediabetes – Symptoms and causes.

Abgerufen am 26.02.2026,

https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/prediabetes/symptoms-causes/syc-20355278


diabinfo.de (Helmholtz Zentrum München / Deutsches Zentrum für Diabetesforschung)

Was ist Prädiabetes?

Abgerufen am 26.02.2026,

https://www.diabinfo.de/vorbeugen/diabetes/faktencheck/was-ist-praediabetes.html


National Center for Biotechnology Information (NCBI)

Prediabetes: A high-risk state for diabetes development (PMC9217724).

Abgerufen am 26.02.2026,

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9217724/


diabinfo.de

Prädiabetes: Normalisierte Blutzuckerwerte schützen auch ohne Gewichtsabnahme.

Abgerufen am 26.02.2026,

https://www.diabinfo.de/vorbeugen/nachrichten/nachrichten/article/praediabetes-normalisierte-blutzuckerwerte-schuetzen-auch-ohne-gewichtsabnahme.html

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Dr. med. Daniela Rose

Diabetologie, Nephrologie

Dr. med Daniela Rose ist Fachärztin für Innere Medizin, Nephrologie, Endokrinologie und Diabetologie. Sie hat mehr als 20 Jahre klinische Erfahrung, unter anderem in langjähriger Tätigkeit in der V. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim, zuletzt als Oberärztin. Zur Zeit arbeitet sie im Team bei NEDD*Grünstadt, einer nephrologischen Praxis und diabetologischen Schwerpunktpraxis.