Kreatininwert erhöht: Ursachen, Normalwerte und eGFR
Diabetologin und Nephrologin, NEDD*Grünstadt
Kreatinin: Was sagt der Wert über die Nierenfunktion aus?
Der Kreatininwert fällt oft erst dann auf, wenn er im Laborbefund erhöht ist. Als Nierenwert gibt er Hinweise darauf, wie gut die Nieren das Blut filtern. Bei einem erhöhten Wert kann eine Nierenerkrankung die Ursache sein, aber auch eine erhöhte Muskelmasse oder die Einnahme von Kreatin-Nahrungsergänzungsmitteln. Der Wert allein reicht deshalb in der Regel nicht aus, um die Nierenfunktion zu beurteilen.
Was ist Kreatinin?
Kreatinin ist ein Abbauprodukt von Kreatin. Kreatin ist wiederum ein Stoff, der in den Muskeln gespeichert wird und dort bei der Energieversorgung hilft. Sobald die Muskeln Energie verbrauchen – und das tun sie sogar im Ruhezustand – entsteht Kreatinin.
Kreatinin gilt als „harnpflichtig“. Das heißt, dass die Nieren es aus dem Blut herausfiltern, sodass es über den Urin ausgeschieden werden kann. Eine bestimmte Menge bleibt aber immer im Blutkreislauf.
Warum wird der Kreatininwert gemessen?
Der Kreatininwert gehört zu den Nierenwerten und wird häufig bestimmt, wenn die Nierenfunktion untersucht werden soll. Bei bestimmten Erkrankungen wird der Wert regelmäßig kontrolliert. Dazu gehören Diabetes, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und chronische Nierenerkrankungen. Diese Erkrankungen können die Nieren langfristig schädigen. Deshalb wird die Nierenfunktion bei ärztlichen Kontrollen regelmäßig geprüft.
Wie wird der Kreatinin-Wert gemessen?
Kreatinin wird meistens im Blut bestimmt. Dafür wird eine Blutprobe entnommen und der Kreatininwert im Serum gemessen. Dieser Wert zeigt, wie viel Kreatinin sich im Blut befindet.
Zusätzlich kann Kreatinin im Urin bestimmt werden. Je nach Fragestellung reicht dafür eine einzelne Urinprobe oder es wird über 24 Stunden Urin gesammelt. Urinwerte sind vor allem dann wichtig, wenn genauer untersucht werden soll, wie viel Kreatinin der Körper ausscheidet oder wie andere Werte im Urin einzuordnen sind. Ein Beispiel ist der Albumin-Kreatinin-Quotient.
Welche Kreatinin-Werte sind normal?
Der Kreatininwert ist vom Alter, Geschlecht und der Muskelmasse abhängig. Deshalb gibt es keine exakten Normalwerte, sondern Referenzbereiche. Für Kreatinin im Blutserum gelten je nach Labor unterschiedliche Referenzbereiche.
Der Kreatininwert hängt unter anderem von der Muskelmasse ab. Menschen mit mehr Muskelmasse bilden meist auch mehr Kreatinin. Deshalb sind die Werte bei Männern im Allgemeinen höher als bei Frauen. Zur Orientierung können folgende Bereiche dienen:
Die Referenzbereiche können je nach Labor und Messmethode abweichen. Maßgeblich ist immer der Referenzbereich auf dem jeweiligen Laborbefund.
Wann ist der Kreatininwert zu hoch?
Ist der Kreatininwert höher als im Referenzbereich des Laborbefundes, bedeutet das, dass vermehrt Kreatinin im Blutserum vorhanden ist. Das kann ein Hinweis darauf sein, dass die Nieren Kreatinin nicht ausreichend aus dem Blut filtern. Die Ursachen hierfür können vielfältig sein. Häufig ist eine eingeschränkte Nierenfunktion der Grund dafür – diese kann sowohl akut als auch chronisch sein.
Wichtig ist hier: Eine Veränderung des Kreatininwerts im Blutserum zeigt sich oft erst, wenn die Filterleistung der Nieren bereits stärker eingeschränkt ist. Bei älteren Menschen oder Menschen mit wenig Muskelmasse kann der Wert aber auch dann noch unauffällig bleiben.
Mögliche Erkrankungen oder Ursachen, die mit einem erhöhten Kreatininwert zusammenhängen können, sind zum Beispiel:
- akute oder chronische Nierenerkrankungen
- Nierenentzündungen
- Nierensteine oder andere Abflussstörungen der Harnwege
- Harnwegsinfektionen, wenn diese bis zu den Nieren aufgestiegen sind
- Diabetes Typ 1 und 2, vor allem, wenn der Blutzucker über längere Zeit erhöht ist
- Bluthochdruck
- Herzinsuffizienz
Der Wert kann aber auch durch andere Faktoren erhöht sein. Einige davon wirken nur vorübergehend, andere eher dauerhaft. Dazu gehören zum Beispiel:
- Flüssigkeitsmangel
- starke körperliche Belastung
- Kreatin-Nahrungsergänzungsmittel
- hohe Muskelmasse
- bestimmte Medikamente, zum Beispiel einige Antibiotika, Schmerzmittel oder entwässernde Medikamente
Aufgrund der verschiedenen Ursachen betrachten Ärzt:innen einen erhöhten Kreatininwert immer im Zusammenhang mit weiteren Werten und möglichen Beschwerden.
Was tun bei auffälligem Kreatininwert?
Ein erhöhter Kreatininwert sollte ärztlich abgeklärt werden. Der Befund bedeutet nicht automatisch, dass eine chronische Nierenerkrankung vorliegt. Manchmal steckt auch etwas anderes dahinter: zu wenig Flüssigkeit, starke körperliche Belastung, Kreatin-Nahrungsergänzungsmittel oder bestimmte Medikamente.
Wichtig ist deshalb, den Wert nicht isoliert zu betrachten. Hat er sich im Vergleich zu früher verändert? Gibt es weitere auffällige Blut- oder Urinwerte? Liegen Beschwerden vor? Je nach Situation kann es sinnvoll sein, den Wert erneut zu kontrollieren oder weitere Untersuchungen zu machen. Das weitere Vorgehen entscheidet der Arzt oder die Ärztin.
Im Alltag können folgende Punkte helfen, die Nierenfunktion zu erhalten:
- bei Bluthochdruck: auf einen gut eingestellten Blutdruck achten
- bei Diabetes: den Blutzucker regelmäßig kontrollieren
- ausreichend trinken, sofern der Arzt oder die Ärztin nichts anderes verordnet hat
- Medikamente wie verordnet einnehmen
- Schmerzmittel nicht dauerhaft ohne ärztliche Rücksprache nehmen
- Kreatin-Nahrungsergänzungsmittel ärztlich abklären, wenn die Nierenwerte auffällig sind
- regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen
Bei diesen Maßnahmen geht es nicht darum, einen einzelnen Laborwert zu optimieren. Wichtiger ist, die Nierenfunktion langfristig zu erhalten und mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Wann ist der Kreatininwert zu niedrig?
Ein zu niedriger Kreatininwert ist meist weniger bedeutsam als ein erhöhter Wert. Häufig steckt keine Erkrankung der Nieren dahinter. Der Wert kann zum Beispiel bei geringer Muskelmasse, höherem Alter, Untergewicht, Schwangerschaft oder Mangelernährung niedriger ausfallen.
Für sich allein ist ein niedriger Kreatininwert oft unbedenklich. Wenn er mit starkem Untergewicht, Muskelabbau (Sarkopenie) oder anderen Beschwerden zusammenhängt, sollte die Ursache jedoch ärztlich abgeklärt werden.
Kreatinin und eGFR
Aus dem Kreatininwert im Blut wird häufig die eGFR berechnet. Die Abkürzung steht für „estimated glomerular filtration rate“, also geschätzte glomeruläre Filtrationsrate. Sie gibt an, wie viele Milliliter Blut die Nieren pro Minute filtern. Der Normalwert liegt bei 90 bis 120 ml/min/1,73 m². In die Berechnung der eGFR fließen neben dem Kreatininwert auch Alter und Geschlecht ein. So lässt sich die Nierenfunktion besser beurteilen als über den Kreatininwert allein.
Die eGFR ist vor allem wichtig, wenn eine chronische Nierenerkrankung erkannt und im Verlauf beobachtet werden soll. Ein einzelner eGFR-Wert ist aber nur eine Momentaufnahme. Deshalb wird auch dieser Wert im Verlauf und zusammen mit weiteren Blut- und Urinwerten beurteilt.
Kreatinin und Cystatin C
Neben Kreatinin gibt es noch einen weiteren Laborwert, der etwas über die Nierenfunktion aussagt: Cystatin C. Dabei handelt es sich um ein Eiweiß, das von den Körperzellen gebildet wird. Es gelangt ins Blut und wird wie Kreatinin über die Nieren gefiltert.
Cystatin C ist weniger stark von der Muskelmasse abhängig als Kreatinin. Deshalb kann der Wert hilfreich sein, wenn der Kreatininwert schwer einzuordnen ist – zum Beispiel bei älteren Menschen, Menschen mit wenig Muskelmasse oder sehr muskulösen Menschen. In Studien konnte gezeigt werden, dass Cystatin C die Einschätzung der Nierenfunktion verbessern kann. Besonders aussagekräftig wird die Bewertung, wenn Kreatinin und Cystatin C gemeinsam berücksichtigt werden.
Cystatin C kann auch für die Berechnung der eGFR verwendet werden. Es gibt Formeln, die nur Kreatinin nutzen, Formeln mit Cystatin C und Formeln, die beide Werte kombinieren.
Kreatinin, Diabetes und Bluthochdruck
Diabetes und Bluthochdruck gehören zu den häufigsten Risikofaktoren für die Entstehung einer chronischen Nierenerkrankung. Denn beide Erkrankungen können die feinen Blutgefäße in den Nieren langfristig schädigen.
Bei Diabetes passiert das vor allem, wenn der Blutzucker über längere Zeit erhöht ist. Dadurch können die Nierenkörperchen geschädigt werden und die Filterfunktion der Nieren kann nachlassen.
Bei Bluthochdruck stehen die Blutgefäße dauerhaft unter erhöhtem Druck. Auch das kann die Nieren belasten und eine bestehende Nierenschwäche weiter verschlechtern. Gleichzeitig sind die Nieren an der Regulation des Blutdrucks beteiligt. Eine Nierenerkrankung kann deshalb auch dazu beitragen, dass sich Bluthochdruck verstärkt. Deshalb wird bei Menschen mit Diabetes oder Bluthochdruck regelmäßig überprüft, wie gut die Nieren das Blut filtern.
Albumin-Kreatinin-Quotient: Warum auch der Urin wichtig ist
Wenn der Kreatininwert im Urin bestimmt wird, dient Kreatinin als Bezugswert beim Albumin-Kreatinin-Quotienten. Denn Urin kann unterschiedlich stark verdünnt sein – je nachdem, wann die Probe abgegeben wurde oder wie viel vorher getrunken wurde. Der Kreatininwert allein wäre deshalb weniger aussagekräftig.
Beim Albumin-Kreatinin-Quotienten wird gemessen, wie viel Albumin im Verhältnis zu Kreatinin im Urin vorhanden ist. Albumin ist ein Eiweiß, das normalerweise im Blut bleibt. Taucht vermehrt Albumin im Urin auf, kann das ein Hinweis darauf sein, dass die feinen Filter der Nieren geschädigt sind.
Wichtig ist der Wert zum Beispiel bei Diabetes. Eine beginnende diabetische Nephropathie kann sich dadurch zeigen, dass die Nieren vermehrt Albumin verlieren. Der Albumin-Kreatinin-Quotient ist dann oftmals schon auffällig, bevor der Kreatininwert im Blut ansteigt.
Fazit
Kreatinin ist ein wichtiger Nierenwert. Er kann Hinweise darauf geben, wie gut die Nieren Kreatinin aus dem Blut filtern. Alter, Geschlecht, Muskelmasse, Medikamente, Flüssigkeitshaushalt und körperliche Belastung können den Kreatininwert beeinflussen – das sollte immer berücksichtigt werden.
Da der Kreatininwert allein nicht ausreichend aussagekräftig ist, betrachten Ärzt:innen Kreatinin immer im Zusammenhang mit weiteren Werten und möglichen Beschwerden. Besonders wichtig sind dabei die eGFR, Urinwerte wie der Albumin-Kreatinin-Quotient und der Verlauf der Werte.
Bei Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder chronischer Nierenerkrankung sollten die Nierenwerte regelmäßig kontrolliert werden. So lassen sich Veränderungen früh erkennen und die Nierenfunktion kann langfristig besser erhalten werden.
Quellen
Gesundheitsinformation.de. Kreatinin.
Abgerufen am 08.07.2026,
https://www.gesundheitsinformation.de/kreatinin.html
MedlinePlus. Creatinine Test.
Abgerufen am 08.07.2026,
https://medlineplus.gov/lab-tests/creatinine-test/
DaVita. What Is Creatinine?
Abgerufen am 08.07.2026,
https://davita.com/education/articles/what-is-creatinine/
Charité – Institut für Laboratoriumsmedizin und Pathobiochemie. Kreatinin.
Abgerufen am 08.07.2026,
https://www.charite.de/fileadmin/user_upload/microsites/m_cc05/ilp/referenzdb/30738.htm
Deutsches Ärzteblatt. Nierenfunktion und kardiovaskuläre Risiken: Cystatin C besser als Kreatinin für die Risikobewertung.
Abgerufen am 08.07.2026,
Diabetologin und Nephrologin, NEDD*Grünstadt
Daniela Rose ist Fachärztin für Innere Medizin, Nephrologie, Endokrinologie und Diabetologie und seit 8 Jahren bei NEDD*Grünstadt tätig. Sie hat mehr als 20 Jahre klinische Erfahrung, unter anderem früher als Oberärztin bei der Universitätsmedizin Mannheim.