Medikamente bei Herzinsuffizienz: Wirkung und Einnahme
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Autor
Ernährungswissenschaftlerin (M.Sc.) und Redakteurin
Medizinische:r Gutachter:in
Diabetologin und Nephrologin, NEDD*Grünstadt
Medikamente bei Herzinsuffizienz: Wirkung, Nebenwirkungen und Tipps zur Einnahme
Morgens die Wassertablette, dazu der Betablocker, abends noch ein weiteres Präparat: Wer eine Herzinsuffizienz hat, nimmt oft mehrere Medikamente gleichzeitig ein. Da kommen schnell Fragen auf. Muss ich die Tabletten wirklich dauerhaft nehmen? Was tun, wenn man sich anfangs schlapp fühlt? Und welche Mittel aus der Hausapotheke sind plötzlich tabu? Hier erfahren Sie, wie Medikamente bei Herzinsuffizienz wirken und wie Sie die Einnahme bestmöglich in Ihren Alltag integrieren.
Was ist eine Herzinsuffizienz?
Bei einer Herzinsuffizienz (auch Herzschwäche oder Herzmuskelschwäche) kann das Herz den Körper nicht mehr ausreichend mit Blut versorgen. Organe wie Gehirn, Nieren und Muskulatur erhalten dadurch weniger Sauerstoff und Nährstoffe. Typische Beschwerden sind Atemnot, Schwäche und Wassereinlagerungen (Ödeme). Im späteren Verlauf kann es auch zu Herzrhythmusstörungen kommen.
Linksherzinsuffizienz, Rechtsherzinsuffizienz und Globalherzinsuffizienz
Einer Herzschwäche gehen meist andere Erkrankungen voraus. Welche das sind, hängt von der Art der Herzschwäche ab. Es wird zwischen Links-, Rechts- und Globalherzinsuffizienz unterschieden.
Linksherzinsuffizienz
Bei dieser Form der Herzschwäche ist die linke Herzhälfte betroffen. Sie pumpt sauerstoffreiches Blut in den Körperkreislauf. Ist sie geschwächt, gelangt weniger Sauerstoff zu den Muskeln und Organen. Gleichzeitig staut sich Blut in die Lunge zurück. Die Folge sind Atemnot, die besonders bei Belastung oder im Liegen auftritt, und manchmal ein trockener Husten. Viele Betroffene schlafen deshalb nachts mit erhöhtem Oberkörper. Die Linksherzinsuffizienz ist die häufigste Form der Herzschwäche. Sie entsteht meist als Folge einer koronaren Herzkrankheit (Verengung der Herzkranzgefäße) oder eines langjährigen Bluthochdrucks.
Rechtsherzinsuffizienz
Bei dieser Form der Herzschwäche ist die rechte Herzhälfte betroffen. Ihre Aufgabe liegt darin, sauerstoffarmes Blut zur Lunge zu pumpen, damit es dort erneut mit Sauerstoff angereichert wird. Ist sie geschwächt, kann sie das ankommende Blut nicht vollständig weiterpumpen. Es staut sich in die Venen zurück, die dadurch unter erhöhtem Druck stehen. Dieser Druck kann zu Wassereinlagerungen im Gewebe führen, typischerweise zuerst an Knöcheln und Unterschenkeln. Auch in Leber und Bauchraum kann sich Flüssigkeit sammeln. Häufig entsteht eine Rechtsherzinsuffizienz als Folge einer Linksherzinsuffizienz.
Globalherzinsuffizienz
Bei einer Globalherzinsuffizienz sind beide Herzhälften betroffen – somit ist das gesamte Herz geschwächt. Sie entwickelt sich häufig, wenn eine Linksherzinsuffizienz im Verlauf auch die rechte Herzhälfte schwächt. Betroffene haben dann Beschwerden beider Formen, also sowohl Atemnot als auch Wassereinlagerungen.
Behandlung einer Herzschwäche
Die Behandlung einer Herzinsuffizienz hat mehrere Ziele. Sie soll:
- Beschwerden lindern und die körperliche Belastbarkeit erhalten oder verbessern
- Lebensqualität verbessern
- Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen
- Krankenhausaufenthalte vermeiden
- Lebenserwartung verlängern
Die Therapie der Herzschwäche selbst setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen:
- Medikamente, die das Herz entlasten und Beschwerden lindern
- Lebensstil: Bewegung, Ernährung, Rauchverzicht
- Wenn nötig, Geräte oder Operation: Defibrillator, spezieller Herzschrittmacher, Klappeneingriff
Wichtig ist, auch die Grunderkrankung wie Bluthochdruck oder verengte Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit) zu behandeln.
Medikamente bei Herzinsuffizienz
Bei einem geschwächten Herzen versucht der Körper gegenzusteuern: Er schüttet vermehrt Stresshormone aus, die das Herz antreiben und Salz sowie Wasser im Körper zurückhalten. Kurzfristig ist das eine gute Unterstützung, auf Dauer überlastet es das Herz aber zusätzlich. Medikamente durchbrechen diesen Teufelskreis. Sie entlasten das Herz, lindern Beschwerden und verlangsamen das Fortschreiten der Erkrankung.
Bei einer Herzschwäche mit eingeschränkter Pumpfunktion kommen vor allem vier Medikamentengruppen zum Einsatz. Meist werden mehrere davon kombiniert, entweder gleichzeitig oder schrittweise:
- Betablocker (z. B. Metoprolol, Bisoprolol, Carvedilol, Nebivolol): blockieren am Herzen die Andockstellen (Beta-Rezeptoren) für die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Dadurch sinkt die Herzfrequenz, und der Herzmuskel wird entlastet.
- ACE-Hemmer (z. B. Ramipril), Sartane (z. B. Valsartan, Candesartan) oder ARNI (Sacubitril/Valsartan): wirken dem Hormon Angiotensin II entgegen. Dadurch weiten sich die Gefäße, der Blutdruck sinkt und das Herz muss gegen weniger Widerstand pumpen.
- Aldosteron-Rezeptor-Antagonisten (z. B. Eplerenon, Spironolacton): blockieren die Wirkung des Hormons Aldosteron. Der Körper scheidet dadurch mehr Salz und Wasser aus, und der Herzmuskel wird davor geschützt, zu vernarben und steifer zu werden.
- SGLT2-Hemmer (Empagliflozin, Dapagliflozin): bewirken, dass die Nieren mehr Zucker und Salz ausscheiden. Das entlastet unter anderem das Herz.
Auch Entwässerungsmittel (Diuretika, zum Beispiel Torasemid oder Furosemid) können bei Wassereinlagerungen zum Einsatz kommen. Sie lindern Beschwerden wie geschwollene Beine oder Atemnot meist schnell.
Worauf müssen Sie bei der Einnahme achten?
Bei Medikamenten gilt: Sie können ihre Wirkung nur entfalten, wenn sie regelmäßig und wie verordnet eingenommen werden. Wenn sich Ihr Gesundheitszustand durch die Medikamenteneinnahme verbessert, ist das ein sehr gutes Zeichen – das heißt aber nicht, dass Sie die Medikamente absetzen sollten.
Mehrere Tabletten am Tag einzunehmen, empfinden viele Betroffene als belastend. Manche fühlen sich dadurch ständig an ihre Erkrankung erinnert oder sorgen sich, ihrem Körper zu viel zuzumuten. Ein anderer Blickwinkel kann helfen: Jede Tablette ist ein Beitrag, den Sie selbst für Ihr Herz leisten. Die Medikamente unterstützen es dabei, entlastet zu arbeiten und helfen Ihnen, aktiv und selbstbestimmt zu bleiben.
„Die Medikamente gehören bei einer Herzschwäche dauerhaft zum Alltag – genauso wie das Zähneputzen. Je selbstverständlicher sie dazugehören, desto leichter fällt es, dranzubleiben. Ich rate meinen Patientinnen und Patienten deshalb, die Einnahme an feste Gewohnheiten zu koppeln – zum Beispiel an das Frühstück. Eine Wochendosierbox hilft zusätzlich, den Überblick zu behalten“, sagt Cátia Cardoso, Gesundheitsberaterin bei Oska und examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin mit Schwerpunkt Kardiologie.
Hilfreich ist außerdem ein Medikationsplan, in dem alle Medikamente mit Dosis und Einnahmezeitpunkt stehen. Ausgestellt wird er in der Regel von der Hausarztpraxis. Am besten nehmen Sie ihn zu jedem Arzt- und Apothekenbesuch mit.
So klappt’s im Alltag: Machen Sie ein Foto von Ihrem Medikationsplan und speichern Sie es als Favorit im Handy. So haben Sie die Infos auch unterwegs oder im Urlaub immer dabei.
Was tun bei Nebenwirkungen?
Jedes wirksame Medikament kann auch Nebenwirkungen haben. Bei Herzmedikamenten entstehen sie häufig durch die gewünschte Wirkung selbst: Wenn der Blutdruck durch die Medikamente sinkt, kann zum Beispiel Schwindel auftreten. Senkt ein Betablocker die Herzfrequenz, fühlen sich manche Betroffene anfangs müde. Der Körper braucht Zeit, um sich darauf einzustellen. Deshalb wird die Dosis meist schrittweise gesteigert. Viele der anfänglichen Beschwerden lassen mit der Zeit nach.
Wichtig ist, bei Nebenwirkungen die Medikamente nicht einfach abzusetzen. Sprechen Sie Beschwerden stattdessen bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an. Gemeinsam lässt sich einschätzen, ob die Beschwerden vorübergehend sind oder ob die Behandlung angepasst werden sollte.
„Gerade in den ersten Wochen fühlen sich viele Patientinnen und Patienten müder als vorher und sind verunsichert, ob die Medikamente ihnen überhaupt guttun. Das pendelt sich in der Regel nach einiger Zeit ein. Mein Rat: Notieren Sie Ihre Beschwerden und sprechen Sie beim nächsten Termin offen darüber. Dann lässt sich gemeinsam eine Lösung finden“, sagt Cardoso.
Welche Medikamente sind bei Herzschwäche ungeeignet?
Bei Kopf- oder Gelenkschmerzen greifen viele schnell zu Schmerzmitteln aus der Hausapotheke. Wer eine Herzschwäche hat, muss hier aber aufpassen: Wirkstoffe wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen (nichtsteroidale Antirheumatika, kurz NSAR) können dazu führen, dass der Körper mehr Salz und Wasser zurückhält. Das ist eine zusätzliche Belastung für das Herz und kann eine bestehende Herzschwäche sogar verschlechtern.
Alternativ kann Paracetamol eingenommen werden. Es wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend, im Gegensatz zu NSAR aber nicht entzündungshemmend. Bei längerfristiger Einnahme kann Paracetamol die Leber belasten. Als verschreibungspflichtiges Medikament kommt außerdem Metamizol in Frage, das bei Schmerzen, Fieber und krampfartigen Bauchschmerzen hilft. Es kann allerdings den Blutdruck senken und in seltenen Fällen die Zahl der weißen Blutkörperchen gefährlich verringern. Welches Mittel für Sie geeignet ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke.
So klappt’s im Alltag: Räumen Sie Ihre Hausapotheke einmal auf und sortieren Sie Ibuprofen und Co. aus. Ein Zettel mit „Bei Schmerzen erst Arzt/Apotheke fragen“ im Medikamentenschrank verhindert, dass Sie im Ernstfall aus Gewohnheit zur falschen Packung greifen.
Was ist bei Durchfall, Erbrechen oder Fieber zu beachten?
Bei Durchfall, Erbrechen oder hohem Fieber verliert der Körper viel Flüssigkeit und Salz. Manche Herzmedikamente können diesen Effekt verstärken – das gilt vor allem für Entwässerungsmittel und SGLT2-Hemmer. Auch ACE-Hemmer, Sartane und Aldosteron-Rezeptor-Antagonisten können in solchen Situationen den Kreislauf und die Nieren zusätzlich belasten. Mögliche Folgen sind Schwindel, ein zu niedriger Blutdruck oder eine Verschlechterung der Nierenwerte.
In solchen Situationen kann es notwendig sein, dass Ihre Ärztin oder Ihr Arzt einzelne Medikamente vorübergehend pausiert. Setzen Sie Ihre Medikamente aber nicht auf eigene Faust ab. Besprechen Sie am besten schon vorab, welche Tabletten Sie an solchen Tagen weglassen dürfen und lassen Sie sich das schriftlich geben. Halten die Beschwerden an, können Sie kaum etwas trinken oder fühlen Sie sich sehr schwach, sollten Sie zeitnah ärztlichen Rat einholen.
Warum sind regelmäßige Kontrollen notwendig?
Einige Herzmedikamente können die Blutwerte beeinflussen. ACE-Hemmer, Sartane, ARNI und Aldosteron-Rezeptor-Antagonisten können zum Beispiel den Kaliumspiegel im Blut erhöhen oder die Nierenwerte verändern. Unter Betablockern können Puls und Blutdruck sinken. Regelmäßige Kontrollen helfen, solche Veränderungen frühzeitig zu erkennen. So lässt sich entscheiden, ob die Behandlung wie geplant fortgeführt oder angepasst werden sollte.
Besonders engmaschig wird zu Beginn der Behandlung und nach jeder Dosissteigerung kontrolliert. Dabei werden in der Regel Blutdruck und Puls gemessen und Blutwerte wie Kalium und Nierenwerte bestimmt. Ist die Behandlung stabil eingestellt, sind seltenere Kontrollen ausreichend. Wie oft genau, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt individuell fest.
„Ich ermutige meine Patientinnen und Patienten, auch zu Hause regelmäßig Blutdruck und Puls zu messen und die Werte zusammen mit ihrem Gewicht in ein Tagebuch einzutragen. Das dauert nur ein paar Minuten am Tag, gibt aber beim nächsten Arzttermin ein viel genaueres Bild als eine einzelne Messung in der Praxis. Und viele merken dabei, dass sie selbst etwas zu ihrer Behandlung beitragen können“, sagt Cardoso.
So klappt’s im Alltag: Stellen Sie das Blutdruckmessgerät dorthin, wo Sie morgens ohnehin vorbeikommen – zum Beispiel neben die Kaffeemaschine. Und legen Sie das Tagebuch direkt daneben. Was sichtbar ist, wird seltener vergessen.
Medikamente bei Herzinsuffizienz: Das Wichtigste auf einen Blick
- Bei einer Herzschwäche versucht der Körper gegenzusteuern und überlastet das Herz dabei zusätzlich. Medikamente durchbrechen diesen Teufelskreis, lindern Beschwerden und verlangsamen das Fortschreiten der Erkrankung.
- Bei eingeschränkter Pumpfunktion kommen vor allem vier Medikamentengruppen zum Einsatz, meistens werden sie kombiniert. Bei Wassereinlagerungen helfen zusätzlich Entwässerungsmittel.
- Die Medikamente wirken nur, wenn Sie sie regelmäßig und dauerhaft einnehmen – auch wenn es Ihnen besser geht.
- Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Schwindel treten vor allem zu Beginn auf und lassen oft nach. Setzen Sie Medikamente nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie Beschwerden ärztlich an.
- Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac können sich negativ auf die Herzschwäche auswirken. Besprechen Sie die Möglichkeiten bei schmerzlindernden Medikamenten mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
- Führen Sie einen Medikationsplan und messen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck. So unterstützen Sie aktiv die Behandlung.
Quellen
Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Chronische Herzinsuffizienz, Version 4. Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Abgerufen am 07.10.2026,
https://www.leitlinien.de/themen/herzinsuffizienz/version-4
Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Chronische Herzinsuffizienz. Patientenblatt: Herzschwäche – Neue Medikamente richtig einnehmen.
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https://www.leitlinien.de/themen/herzinsuffizienz/patientenblaetter/medikamente-richtig-einstellen
Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Chronische Herzinsuffizienz. Patientenleitlinie.
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https://www.leitlinien.de/themen/herzinsuffizienz/patientenleitlinie
Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Herzschwäche. gesund.bund.de.
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https://gesund.bund.de/herzschwaeche
Deutsche Herzstiftung. Herzinsuffizienz (Herzschwäche).
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https://www.herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/herzinsuffizienz
McDonagh TA et al. 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. European Heart Journal 2021; 42(36): 3599–3726.
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https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehab368
McDonagh TA et al. 2023 Focused Update of the 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. European Heart Journal 2023; 44(37): 3627–3639.
Abgerufen am 07.10.2026,
https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehad195
Ernährungswissenschaftlerin (M.Sc.) und Redakteurin
Mie Heesch ist Yogalehrerin und führt in den Webinaren die Teilnehmer:innen an Atemübungen und Meditation heran. Sie hat einen Master in Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften und schreibt über Gesundheit und Ernährung.